Der Kormoran ist Vogel des Jahres 2010

Ein Prüfstein für umsichtigen Artenschutz

Das nasse Gefieder muß immer wieder trocknen, Foto F. Möllers
Das nasse Gefieder muß immer wieder trocknen, Foto F. Möllers

Jahrzehntelang war der Kormoran (Phalacrocorax carbo) im vergangenen Jahrhundert aus Deutschland so gut wie verschwunden – das Ergebnis intensiver Verfolgung durch Fischer und Angler. Erst nach konsequentem Schutz durch die EG-Vogelschutzrichtlinie (1979) leben in Deutschland heute wieder rund 24.000 Brutpaare, davon mehr als die Hälfte in großen Kolonien nahe der Küste. Ihre Zahl hat sich in den letzten Jahren stabilisiert und ihre Rückkehr ist ein Erfolg für den Vogelschutz. Berufsfischer und Angler versuchten jedoch, die Vertreter von Politik und Behörden von angeblich massiven wirtschaftlichen Schäden und der Bedrohung einzelner Fischarten durch den Vogel zu überzeugen. Doch Kormorane vernichten keine natürlichen Fischbestände und gefährden langfristig auch keine Fischarten. Vielmehr kommt es darauf an, sich für die ökologische Verbesserung unserer Gewässer einzusetzen – damit alle Fische und Wasservögel Raum zum Leben haben. Aus Sicht von NABU und LBV sollten fischfressende Vogelarten wie der Kormoran als natürlicher Bestandteil unserer Gewässerökosysteme akzeptiert werden.
Die 80 bis 100 Zentimeter großen und zwischen zwei bis drei Kilo schweren Vögel fangen bevorzugt Fische, die sie ohne großen Aufwand erbeuten können – sie sind Nahrungsopportunisten. Darum stehen vor allem häufige und wirtschaftlich unbedeutende „Weißfische“ wie Rotaugen, Brachsen und andere Kleinfische auf ihrem Speiseplan, die besonders in nährstoffreichen Gewässern in großen Mengen vorkommen. „Edelfische“ wie Felchen oder Äschen machen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge nur geringe Anteile ihrer Nahrung aus.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die kürzlich erschienene neue Rote Liste der Fische: eindrucksvoll werden dort die Gefährdungsursachen beschrieben, die dazu geführt haben, dass heute rund 55 Prozent aller heimischen Fischarten als bedroht gelten müssen: es sind (a) der Gewässerausbau, (b) die Wasserkraft und Kühlwassernutzung, (c) Nährstoff- und Feinsedimentbelastung und (d) vermehrt wohl auch der Klimawandel. Besonders die strömungsliebenden und im Kies laichenden Kaltwasserfische sind an Gewässern mit zunehmender Temperatur und Verschlammung, mit aufgestauten Gewässerabschnitten, verbauten Ufern und fehlender Deckung auf Dauer kaum überlebensfähig. Dem entsprechend gingen ihre Bestände zurück, lange bevor das Comeback des Kormorans begann. Eine ökologische Verbesserung der Fischlebensräume ist deshalb dringend geboten. Verkehrt ist es dagegen zu glauben, mit Kormoranabschüssen einen Beitrag zum Fischartenschutz leisten zu können. Welche Fische in unseren Gewässern leben, beeinflusst heute in erster Linie der Mensch. Nicht der Kormoran.

Zur Brutzeit ist der Kopf hell befiedert
Zur Brutzeit ist der Kopf hell befiedert

NABU und LBV lehnen eine flächendeckende Regulierung der Kormoranbestände grundsätzlich ab. Denn es gibt Alternativen. Eine zeitgemäße Strategie ist die Schaffung von Ruhezonen. So werden die Wasservögel an Orte gelenkt, an denen sie sich von reichhaltigen Fischbeständen ernähren können – dazu zählen größere Stillgewässer und Flüsse ebenso wie die Küste. Dadurch verringert sich der Druck auf Fischzuchtanlagen oder die Rückzugsräume seltener Fischarten.
An Fischzuchtanlagen beziehungsweise in Zentren der Teichwirtschaft können gebietsweise Probleme durch den Kormoran auftreten. Dort müssen gemeinsam vor Ort Lösungen gefunden werden, wirtschaftliche Schäden durch Kormorane zu verhindern, ohne den natürlichen Bestand der Vogelart erneut zu gefährden. Fischteiche können beispielsweise durch das Überspannen mit weitmaschigen und gut sichtbaren Drahtnetzen sowie durch optisches und akustisches Vertreiben wirksam geschützt werden.
Die Verbände möchten zeigen, was getan werden kann, um Kormoranen und Fischern eine Zukunft an unseren Gewässern zu sichern. Der Umgang mit dem Kormoran ist ein Prüfstein für einen umsichtigen Artenschutz in Deutschland und Europa.
Der Kormoran, dessen grüne Augen an Edelsteine erinnern, ist ein Meistertaucher. Bis zu 90 Sekunden lang und 30 Meter tief kann er tauchen. Sein mit Wasser vollgesogenes Gefieder lässt er von Wind und Sonne trocknen – ein einzigartiges Verhalten in der Vogelwelt. Dazu breitet er die Flügel in der charakteristischen Haltung auf einem Ruheplatz aus. Abgesehen von Südamerika ist der Kormoran in allen Erdteilen zu Hause.

Siehe auch unseren Beitrag zur Klage des NABU vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg!



Sein Steckbrief

Name
Der Name „Kormoran“ entstammt einem Kunstwort, dem die lateinische Bezeichnung „Corvus marinus“ zugrunde liegt – zu Deutsch der „Meerrabe“. Er hat Eingang in fast alle Sprachen gefunden, zum Teil mit dem Adjektiv „Großer“, um ihn von der kleineren Krähenscharbe zu unterscheiden. Der wissenschaftliche Name Phalacrocorax ist griechischen Ursprungs und bedeutet „Kahlköpfiger Rabe“. Der Artname carbo (lateinisch: „Kohle“) ist eine Anspielung auf seine Gefiederfarbe.

Jungvogel
Jungvogel

Verwandschaft
Der Kormoran gehört zur Ordnung der Ruderfüßer wie auch Pelikane und Basstölpel. Gemeinsam ist ihnen eine Schwimmhaut an den Füßen, die alle vier Zehen – also auch die Hinterzehe – mit einschließt. Damit kann er hervorragend schwimmen und tauchen. Zur Familie der Phalacrocoracidae („Kormorane“) zählen weltweit rund 40 Arten. In Europa sind es neben dem Kormoran noch zwei weitere: Die etwas kleinere Krähenscharbe, die entlang der Küsten vom östlichen Mittelmeer bis Island vorkommt, sowie die Zwergscharbe, die vor allem küstennahe Regionen vom Kaspischen Meer bis zum östlichen Mittelmeer besiedelt, aber auch einige Standorte an der unteren Donau in Ungarn und in Österreich.

Aussehen
Der Kormoran ist etwa 80 bis 100 Zentimeter groß und wiegt zwischen 1,7 und 3 Kilogramm. Die Weibchen sind etwas kleiner als die Männchen. Der Hals ist lang und kräftig, der Kopf etwas keilförmig. Am Ende des geraden Schnabels befindet sich eine Hakenspitze. Das Gefieder des Kormorans ist überwiegend schwarz und glänzt metallisch. Jungvögel sind an ihrem braunen Gefieder zu erkennen. Im Jugendkleid besitzen die Vögel auch weiße Partien.

Stimme
Meist verhalten sich Kormorane ruhig. Nur an Brut- und Schlafplätzen geben die Vögel unterschiedliche Laute von sich. Ihre Rufe klingen dabei kehlig und krächzend, zum Beispiel „chroho-chrohochro-ho“. Weibchen rufen auch ein hohes „Flii-flii-flii“.

Nahrung
Kormorane fressen fast ausschließlich Fische und tauchen oft gemeinsam nach Nahrung. Sie fangen bevorzugt Fische von 10 bis 20 Zentimetern Länge. Nur ausnahmsweise werden auch andere, kleinere Wirbeltiere erbeutet, am Meer gelegentlich auch Krabben und Garnelen.

Fortpflanzung
Kormorane sind Koloniebrüter, die meist auf höheren Bäumen brüten, häufig zusammen mit Graureihern. Sie legen drei bis vier Eier, die von den Partnern gemeinsam bebrütet werden. Nach 23 bis 29 Tagen schlüpfen die Küken. Ihre Nestlingszeit beträgt sechs bis sieben Wochen. Erst im Alter von zwei Monaten sind sie voll flugfähig.

Die grünen Augen erinnern an Edelsteine, Foto F. Derer
Die grünen Augen erinnern an Edelsteine, Foto F. Derer

Lebensraum und Verbreitung
Abgesehen von Südamerika ist der Kormoran in allen Erdteilen zu Hause. In Europa sind zwei Rassen heimisch. Phalacrocorax carbo carbo lebt an den felsigen Küsten West- und Nordeuropas. Ph. c. sinensis – die „Festlandsrasse“ – brütet vorwiegend auf Bäumen und hat zwei Verbreitungsschwerpunkte: ein Gebiet von den Niederlanden über Norddeutschland bis ins Baltikum sowie Teile Südosteuropas und des Donauraums. Immer häufiger ist die Art auch im dazwischen gelegenen Binnenland anzutreffen. In Deutschland besiedelt der Kormoran Flüsse und Seen des Binnenlandes sowie die Küsten an Nord- und Ostsee.

Wanderungen
Je nach Brutort sind Kormorane Teilzieher oder Zugvögel. Die Ostseepopulation zieht über Land und überwintert von Süddeutschland bis Nordafrika. Jungvögel zerstreuen sich schon im Juni und Juli in der weiteren Umgebung. Altvögel verlassen die Brutgebiete im Oktober und November und ziehen von Ende Januar bis März wieder zurück.

Gefährdung
Intensive Verfolgungen durch den Menschen bringen den Kormoran erneut in Gefahr: Die Maßnahmen reichen vom Fällen der Horstbäume über die Zerstörung von Nestern und Eiern bis zur Vertreibung (Vergrämung) und Tötung durch Abschuss am Brutplatz sowie in Rast- und Überwinterungsgebieten.

Achtung! Die im Frühjahr geplante Radtour entlang der Quellgewäs-ser der Jade wird am

16. Oktober, 14.00 Uhr, Parkplatz der Schule Feldbreite, nachgeholt.

Anmeldung unter 04402-8638112.

Das nächste Ortsgruppentreffen findet am 21. Oktober 2021 im evang. Gemeindehaus statt. (s. unter Termine/Veranstaltungen)

Wahl zum Vogel des Jahres 2022: Vom 6. Oktober bis zum 18. November 2021 kann Jede/

Jeder unter den fünf zur Wahl stehenden Vögeln auswählen (www.vogeldesjahres.de)

Der Feldsperling ist einer der zur Wahl stehenden Brutvögel
Der Feldsperling ist einer der zur Wahl stehenden Brutvögel
Naturzerstörend wie keine andere und unsinnig zugleich: die A 20 (A 22)
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Bei dem "Protestival" gegen die A 20 vom 6.-8. August hat auch der NABU Rastede Flagge gezeigt. Foto J. Matz
Bei dem "Protestival" gegen die A 20 vom 6.-8. August hat auch der NABU Rastede Flagge gezeigt. Foto J. Matz
5. Juni: A20-Gegner im strömenden Regen auf der geplanten Trasse hinter Gut Hahn, s. auch a20-nie.de, Foto: Silke Lorenz
5. Juni: A20-Gegner im strömenden Regen auf der geplanten Trasse hinter Gut Hahn, s. auch a20-nie.de, Foto: Silke Lorenz

Die Erde schwitzt, die Jugend protestiert weltweit - trotzdem Autobahn-Neubauten? Werden die Mahnungen des Club of Rome, des Weltklimarats (IPPC) und der Wissenschaft sowie der Naturschutzverbände weiterhin ignoriert? Wie be-scheuer-t muss es denn noch kommen und wann lernt die Politik endlich dazu?

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Fotomontage S. Lorenz (Ipweger Moor)
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Jedes Maß scheint verloren zu gehen: 40 ha sollen für Gewerbe- ansiedlungen in Leuchtenburg reserviert werden. Es gibt kein

Korrektiv mehr im Gemeinderat!

Mit der Bohmann-Umsiedlung soll es los-gehen. Animation Jabro Planungsgesell-schaft,  s. unter "Aktuelles"
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Das Rotkehlchen:

Vogel des Jahres 2021

Foto Oskar Jungklaus
Foto Oskar Jungklaus

Die Vögel des Ipweger Moores

Juli 2021: Es bestehen noch Rest-bestände der 2. Auflage unseres Buches "Die Vögel des Ipweger Moores". Wer noch eines bestellen möchte, sollte sich beeilen. Lesen Sie die Einführung unter "Aktuelles".
Juli 2021: Es bestehen noch Rest-bestände der 2. Auflage unseres Buches "Die Vögel des Ipweger Moores". Wer noch eines bestellen möchte, sollte sich beeilen. Lesen Sie die Einführung unter "Aktuelles".

Hankhauser Moor: Ministerin Otte-Kinast will "weiße Fläche" im LROP wieder herstellen!

Kuckuckslichtnelken am  Eggerkingsweg
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Vielen Dank an BINGO für die Förderung vieler Rasteder NABU-Projekte !
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Ausnahmen vom Tötungsverbot verstoßen gegen europäisches Naturschutzrecht!

s. Urteil des EuGH vom 4. März 2021 (C-473/19), Foto Gurelur
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Rastede baut sich zu !

Göhlen, Ipwege, Hankhausen IV, Bauhof, Hahn-Lehmden..: Wie ist der Bauwahn in Rastede zu stoppen?
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