Hier wie auf den Fotos unten sollen schon bald Häuser stehen, Fotos H. Lobensteiner
Die Pläne der Gemeinde zur Flächennutzungsplanänderung "Südlich Schlosspark" und zur Aufstellung des Bebauungsplans 93 A stoßen in der Gemeinde und bei den gewählten Vertretern im Gemeinderat auf ein unterschiedliches Echo. Die Großzügigkeit, mit der die Landschaft im ländlichen Hankhausen verplant wird, erschreckt und sprengt in ihren Ausmaßen alle Grenzen. In Fortsetzung der Baulandpolitik unter der Ägide seines Vorgängers scheint auch der neue Bürgermeister keine Bedenken bei der weiteren Landschaftszersiedelung und -versiegelung zu haben. Es darf erinnert werden an den 11. August 2011, als vor der Kommunalwahl beiden Bürgermeister- kandidaten (Dieter von Essen und Rüdiger Kramer) in der Heimvolkshochschule die Frage gestellt wurde, ob sie denn im Falle ihrer Wahl Pläne unterstützen würden, den Schlosspark durch weitere Baugebiete einzukreisen und ihn damit zum „Stadtpark“ werden zu lassen. Beide Kandidaten schlossen diese Möglichkeit für sich aus. Die Aussage unseres neuen Bürgermeisters ist zum Zeitpunkt der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung also noch nicht ½ Jahr alt und erweist sich schon als Makulatur.
Es scheint auch niemanden zu stören, dass das für alle Gemeinden des Ammerlandes bindende Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) das Gebiet südlich des Schlossparks als Vorsorgegebiet für Natur und Landschaft ausgewiesen hat. In der "Präambel" zum RROP heißt es:
Das Ammerland hat viele Gesichter. Die vielfältige Landschaft der Geest, Moore und der Marsch mit ihren typischen Landschaftsbestandteilen und den dazugehörigen Tier- und
Pflanzenarten bestimmen das Bild des Ammerlandes.
Der Unteren Naturschutzbehörde liegt die Erhaltung und Entwicklung von Natur und Landschaft in Zusammenarbeit mit den Ammerländer Bürgerinnen und Bürgern sehr am Herzen. Natur und
Landschaft dienen als Lebensgrundlage für den Menschen und sollen als Voraussetzung für seine Erholung gesichert werden.
Das umfangreiche Aufgabengebiet des Natur- und Artenschutzes soll die Artenvielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt bewahren und die Schönheit dieser abwechlungsreichen
Landschaft erhalten.
Wie wahr und wie treffen diese Sätze auch auf die jetzt vorgesehene Planung zu.
Ist Herr von Essen nun von seiner Verwaltung, dem Planungsbüro, von seinen politischen Freunden oder von allen zusammen zum Umdenken getrieben oder feiner „bewogen“ worden? Wir können nur
vermuten.
Die Verwirklichung der Planung jedenfalls wird genau dieses Ergebnis bringen: Der Schlosspark wird auch auf seiner Südseite von Wohnbebauung, allein durch die heutige verdichtete (z. T.
zweistöckige) Bauweise mit kleinen Grundstücken, optisch verriegelt. Dabei wird leider übersehen, dass man damit auch die eigene Identität aufgibt. Hankhausen ist die zentrumsnächste Bauerschaft
und hat bis heute seinen ländlichen Charakter im Kern weitgehend erhalten können. Die Grünländereien bilden einen wohltuenden Kontrast zur vorherrschenden Streusiedlung und zur Siedlung "Südlich
Schlosspark". Dieses Kleinod ist man offensichtlich bereit zu opfern für einige Dutzend Neubürger, nur damit der Bevölkerungsstand in etwa gehalten werden kann (Stichwort demografische
Entwicklung). Zu bedenken ist außerdem, dass gemeindlicherseits ein zusätzliches Infrastrukturpotenzial vorzuhalten ist mit enormen Folgekosten, die auf immer weniger Schultern zu verteilen sind.
Sind die die Mehrheit tragenden Parteien auf einem Auge blind und fragen sich nicht, ob die immer weiter fortschreitende Zersiedelung, der Artenschwund und der Verlust der Attraktivität Rastedes
als Wohn- und Urlaubsort diesen Zugewinn rechtfertigt?
Der auch für Rastede nicht unbedeutende Wirtschaftsfaktor Tourismus soll bundesweit sogar die Bedeutung von Banken und Fahrzeugherstellern übertreffen und zählt nach Studien zu den wichtigsten
Wirtschaftszweigen Deutschlands (NWZ vom 04.02. und 10.02.2012).
Täglich werden in Deutschland immer noch 90 ha Freifläche zugebaut. Gegenteilige Beschlüsse der Bundesregierung vom 07.11.2007, bis 2010 die Degradierung von Lebensräumen zu
stoppen, zumindest aber den täglichen Flächenbedarf auf 30 ha zu verringern, sind leider nur Lippenbekenntnisse. Auf Kommunalebene wird weiter ungehindert gewurstelt wie eh und je. Inzwischen
schlagen auch die Landwirte Alarm. Ihnen geht die landwirtschaftliche Nutzfläche nach und nach verloren.
Die Frage der überdimensionierten Erweiterung des Baugebiets „Südlich Schlosspark“ darf nicht nur im Rahmen einer Bürgerversammlung, sondern muss in einem freiwilligen Verfahren von einer breiten
Bevölkerungsschicht mitgetragen werden. Ein solches Zeichen würde ein Nachdenken über die bisherige Baulandpolitik erkennbar werden lassen!
Der NABU Rastede wird jedenfalls in Kürze eine Umfrage unter den Rasteder Einwohnern starten! Hier können Sie den Umfragebogen schon einmal einsehen.
Wer sich mit einer eigenen Stellungnahme im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung (Abgabetermin 02. März 2012) äußern möchte, kann sich die individuell abänderbare Datei herunterladen und ausdrucken! Wer sich ein eigenes Bild machen möchte, der sollte am Montag, den 20. Februar 2012 um 20.00 Uhr in die Neue Aula der KGS Rastede kommen. Die Gemeinde wird dort ihre Planung vorstellen und ihre Bürger zu Wort kommen lassen.
Interessant dürfte auch die Grafik "Bodenversiegelung 2005" der staatlichen Behörde LBEG sein, die Rastede als Gemeinde mit dem zweitgrößten Flächenverbrauch von 2000 bis 2005 im Ammerland ausweist. Die Werte dürften sich durch die vielen neuen Industrie- und Gewerbeflächen seit 2005 um ein Vielfaches erhöht haben.